Denkpfad 2019 - Bürgerstiftung Mühlacker in Kooperation mit dem Verschönerungsverein

Beim seit 2017 bestehenden Denkpfad der Bürgerstiftung Mühlacker werden jedes Jahr auf 12 kleinen Tafeln neue Fragen gestellt.

Der Verschönerungsverein hat für den Denkpfad 2019 die Fragen ausgedacht und die passenden Fotos hinzugefügt. Die Fragen und Antworten aller 12 Tafeln finden Sie in dieser PDF-Datei.

Zu jeder Frage gibt es unten interessante und weiterführende Informationen.

Die abgebildete 1. Tafel zeigt den Standort und den Verlauf des Denkpfads.

Der Denkpfad kann ab Sonntag, den 23. Juni 2019, genutzt werden. Viel Spaß dabei!


Das Mühlacker Tagblatt berichtete von der Eröffnung des Denkpfads: "Laufend denken rund um den Sender"

 
 

Hintergrundinformationen zu den Denkpfad-Fragen 2019

1. In den Anlagen oberhalb der Burgruine Löffelstelz entsteht ein Arboretum. Was versteht man darunter?

Ein Arboretum (lat. Arbor „Baum“) ist eine Sammlung verschiedenartiger, oft auch exotischer Gehölze. Es kann beispielsweise ein botanischer Garten sein, in dem hauptsächlich Bäume und Sträucher angepflanzt werden.
Das Gelände oberhalb der Burgruine Löffelstelz verfügt über einen vielfältigen und bemerkenswerten Bestand sowohl an heimischen als auch an exotischen Arten. Die Bürgerstiftung möchte zusammen mit der Stadt Mühlacker, Vereinen, Sponsoren und Paten den vorhandenen Baumbestand kennzeichnen und mit weiteren Bäumen und mit Büschen zu einem Arboretum an der Burg ergänzen.

2. Zum Arboretum in den Anlagen oberhalb der Burgruine Löffelstelz gehört eine Wildblumenwiese, die 2018 angelegt wurde. Was möchte man damit erreichen?

Wildblumen stellen besonders im Frühling eine wichtige Nahrungsgrundlage für Insekten dar. Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Insekten besuchen die Blüten, um den süßen Nektar aufzusaugen. Dabei sorgen sie auch für die Bestäubung, ohne die es kein Obst, kein Gemüse, kein Getreide und keine Blumen gäbe.
Vor dem Hintergrund des allgemeinen Rückgangs der Insekten-Population, vor allem der Bienen, ist es wichtig, entsprechende Lebensräume zu schaffen.
Damit möglichst viele Insektenarten angezogen werden, kommen regionale Saatmischungen zum Einsatz. Den größten ökologischen Nutzen erzielt man, wenn man dazu passende wegbegleitende Gehölze und Stauden anpflanzt.

3. Stadt Mühlacker: Wie hieß der Name des Ortes vor der Stadterhebung 1930?

Der in einer Enzschleife gelegene Ort Dürrmenz wurde 779 im Lorscher Codex erstmals erwähnt. Dürrmenz war bis in die Neuzeit Hauptort, während der Weiler Mühlacker nur eine untergeordnete Rolle spielte. Mit dem Bau der Eisenbahn nördlich von Mühlacker entwickelte sich Dürrmenz-Mühlacker rasch und gewann in der Region an wirtschaftlicher Bedeutung. Im Jahre 1930 erhob man Dürrmenz-Mühlacker unter Kürzung des Doppelnamens zur Stadt Mühlacker, zeitgleich mit der Inbetriebnahme des Rundfunk-Großsenders.

4. Enzflößerei: Wie lange konnten die Flöße werden?

Die Enz war eine vielbefahrene Floßstraße. Spätestens seit dem 13. Jh. bis Anfang 1913 wurde sie als Transportmittel für Brennholz und Langholz genutzt. Der Export von großen „Holländertannen“ aus dem Schwarzwald für den Schiffsbau nach Holland war eine bedeutende Einnahmequelle der Fürsten, die sich die Zolleinnahmen sicherten.
Die Flöße bestanden aus einer bestimmten Zahl an Gestören – auf dem Tafelbild sind es neun – die eine Gesamtlänge von bis zu 270 m bei maximaler Breite von 4 m aufweisen konnten. In den Jahren 1840-1870 wurden täglich zwei bis drei Flöße durch Dürrmenz geflößt. Die Enzflößerei war nur erlaubt in den Monaten März bis Oktober. Ihre Tage waren gezählt, als die Bahnstrecken nach Karlsruhe und entlang der Enz und der Nagold in Betrieb genommen wurden (1863-1874).

5. Bassano del Grappa ist eine Partnerstadt von Mühlacker. In welcher italienischen Region liegt sie?

Die Stadt Mühlacker verbindet seit 1978 eine rege Städtepartnerschaft mit der Stadt Bassano del Grappa in Italien. Die ca. 40.000 Einwohner zählende Stadt liegt in der Region Veneto und feierte im Jahr 1998 ihr 1000-jähriges Bestehen. Bassano del Grappa, dessen Wahrzeichen die Holzbrücke über den Fluss Brenta ist, ist bekannt für seine Keramik-Kunst und seine Grappa-Brennereien.

6. In der Nähe des Stadtteils Enzberg gibt es Überreste eines römischen Gutshofs. Wie nennt man eine solche Anlage auf Lateinisch?

Um das Jahr 80 n. Chr. eroberte das römische Imperium das südwestliche Germanien. Im heutigen Stadtkern von Mühlacker lag eine zivile römische Siedlung, vielfach bezeugt durch Keller- und Häuserfundamente und Keramikfunde. Mehrere in der Nähe liegende römische Gutshöfe (villae rusticae) mit jeweils 60 bis 80 ha Land, z.B. in Lomersheim, Dürrmenz und Enzberg, versorgten die Bevölkerung mit landwirtschaftlichen Produkten.
Bei den archäologischen Ausgrabungen des römischen Landgutes bei Enzberg wurden weit über 2000 qm Fläche geöffnet, freigelegt, vermessen, fotografiert, gezeichnet und beschrieben. Mit der anschließenden Konservierung ist nun ein großer Teil der Villa rustica öffentlich zugänglich.

7. Welche Weinsorte wird an den steilen Weinterrassen in Rosswag und Mühlackers Stadtteil Mühlhausen vorwiegend angebaut?

Wie Perlen an einer Kette reihen sich einzigartige Kulturlandschaften und historische Dorfbilder der Enz entlang durch das Lembergerland.
Es erstreckt sich entlang des Mittleren Enztals, von Mühlacker über Vaihingen an der Enz hin zur historischen Schäferlaufstadt Markgröningen. Im Norden liegt malerisch das Fachwerkdorf Schützingen mit seinen steilaufragenden Weinhängen.
Zwischen Rosswag und Mühlhausen strecken sich die steilsten Terrassenweinberge durch den nackten Muschelkalkfels, größtenteils mit Lemberger bestockt, hinunter an die Enz. Hier liegt zentral die Kellerei Rosswag - die Kellerei im Lembergerland.

8. Seit zwei Jahren gibt es in Mühlacker einen Triathlon. In welcher Reihenfolge absolvieren die Athleten den Kurs?

Triathlon ist eine Ausdauersportart, bestehend aus einem Mehrkampf der Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen, die nacheinander in dieser Reihenfolge zu absolvieren sind. Eine Besonderheit dabei ist, dass die Uhr auch bei zeitlichen Unterbrechungen, wie z. B. den Wechseln zwischen den Disziplinen, weiterläuft. Es gibt verschiedene Distanzen; hier sind zwei Beispiele:
Langdistanz: 3,86 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42,195 Laufen (Marathon), zu absolvieren z.B. beim Ironman auf Hawaii
Olympische Distanz: 1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren, 10 km Laufen; seit 2000 olympische Disziplin, zu absolvieren beim Triathlon in Mühlacker

Zu den bekanntesten Triathleten gehört Sebastian Kienle aus Mühlacker, der als vierter Deutscher 2014 den Ironman Hawaii gewann.

9. Die Eppinger Linien, erbaut von 1695-1697, sind noch heute erkennbare Schanzgräben zur Verteidigung gegen Expansionsbestrebungen eines französischen Königs. Sie führten von Pforzheim über Mühlacker und Eppingen bis nach Neckargemünd. Die Ruine Löffelstelz wurde mit der Anlage eines „Defensivstandes“ in das Verteidigungssystem eingebunden. Von welchem König ist die Rede?

Das Bollwerk bestand aus einem etwa 40 Meter breiten Verhack, einem Verhau aus Ästen und Baumstämmen, dem ein etwa 2,5 Meter tiefer Graben folgte. Der Bodenaushub des Grabens wurde zu einem dahinterliegenden Wall aufgeschüttet. Gesichert wurde das Wall-Graben-System der Eppinger Linien durch Wachtürme, genannt Chartaque. Eine Chartaque war ein turmartig aufgebautes Blockhaus mit einer Grundfläche von 6×6 m und einer Höhe von etwa 12 Metern.
Der Nachbau einer Chartaque kann am Sauberg bei Ötisheim/Schönenberg besichtigt werden.

10. Der Hugenotten- und Waldenserpfad ist die Route, auf der vor mehr als 300 Jahren Waldenser und Hugenotten wegen der Unterdrückung ihres Glaubens geflohen waren. Er verläuft durch die Schweiz nach Baden-Württemberg, unter anderem über den Löffelstelzweg, bis nach Hessen. Wo waren die Hugenotten beheimatet?

Der Hugenotten- und Waldenserpfad, auch der „Weg in die Freiheit“ genannt, gehört zu den zertifizierten Kulturrouten des Europarats, welche eine Vielzahl an Themen des europäischen Gedächtnisses, der Geschichte und des Erbes repräsentieren und zur Interpretation der Vielfalt des heutigen Europas beitragen sollen. Er zeichnet die Spuren ihres Ankommens und ihrer Integration in den deutschen Ländern auf. Der markierte Wanderweg ist 2000 km lang.

11. Blühende Beete sind das A und O einer Gartenschau. Es gibt aber auch unzählige Blumenstillleben berühmter Künstler. Wer malte das berühmte Bild „Zwölf Sonnenblumen in einer Vase“?

Vincent van Gogh (1853-1890) war ein niederländischer Maler und Zeichner des Impressionismus.
Das Gemälde „Zwölf Sonnenblumen in einer Vase“ (mit grünem Hintergrund) wurde von ihm 1888 gemalt. Es ist Teil einer Serie von Bildern des gleichen Motivs. Das Bild hängt heute in der Neuen Pinakothek in München und gilt als eines der besten aus der Bilderreihe. Die Originalgröße beträgt 71 x 91 cm. Dieses Gemälde, aber auch die anderen Werke aus der Serie werden mittlerweile auf Rekordpreise geschätzt. 1987 wurden etwa 40 Mill. Dollar für ein Sonnenblumenbild van Goghs gezahlt.
Nach gegenwärtigem Wissensstand hinterließ er 864 Gemälde und über 1000 Zeichnungen, die allesamt in den letzten zehn Jahren seines Lebens entstanden sind.

12. Hier geht es um einen Opernsänger mit einer glanzvollen nationalen und internationalen Karriere als Bass. Er wurde 1906 im nahen Ölbronn geboren. Wer ist es?

Gottlob Frick (1906-1994) war ein deutscher Opernsänger der Stimmlage Bass.
Bis in die 1970er-Jahre hinein war Frick an großen Opernhäusern zu hören: Ab 1938 gehörte er 10 Jahre lang dem Ensemble der Dresdner Staatsoper an, ab 1950 der Deutschen Oper Berlin. Von dort aus begann seine glanzvolle nationale und internationale Karriere, die ihn vor allem als Wagner-Interpret an alle bedeutenden Opernzentren und Festspielorte führte.
Er profilierte sich zum führenden deutschen Bassisten seiner Zeit. Gerühmt wurde vor allem sein machtvolles, ungemein persönlich timbriertes Organ. Frick ist heute noch der Inbegriff des schwarzen Basses. Ein großartiges Beispiel ist die Arie „In diesen heilgen Hallen“ aus Mozarts Zauberflöte.
Der große Saal des Mühlacker Kulturstandorts Mühlehof, 2018 abgerissen, wurde im Jahr 2007 zu seinen Ehren in Gottlob-Frick-Saal umbenannt. Die 1995 gegründete Gottlob-Frick Gesellschaft unterhält im Rathaus in Ölbronn-Dürrn eine Gedächtnisstätte.